Eine Methode zum Durchbrechen von Leistungsbarrieren

Ein Ansatz für die nächste Ebene des Performance Coachings

Einleitung: Das Dilemma der Leistungssteigerung

In meinen Gesprächen mit Klienten stoße ich immer wieder auf dasselbe Muster: Wir streben ständig nach Verbesserung, nach Steigerung unserer Leistungsfähigkeit und nach höherer Effizienz. Doch was, wenn gerade dieses Streben dich daran hindert, dein volles Potenzial auszuschöpfen? Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass wir unser Denken über Leistungssteigerung grundlegend überdenken müssen.

Ich bin kürzlich auf die Arbeit von Prof. Dr. Lisa Wendler und ihrem Team an der Universität Heidelberg gestoßen. Mit dem Paradoxen Rekursions-Modell (PRM) haben sie einen interessanten Ansatz entwickelt, der unsere bisherigen Vorstellungen von Coaching und Leistungssteigerung erweitert. Zumindest erweitern kann.

Einleitung - Denkprozesse formalisieren

Die kognitive Rekursionstheorie verbindet Mathematik, Informatik und Kognitionswissenschaft, um zu verstehen, wie Denkprozesse formalisiert werden können. Durch Konzepte der Rekursion und Berechenbarkeit lassen sich komplexe mentale Abläufe modellieren und simulieren. Diese Theorie hilft uns, die Mechanismen des Denkens systematisch zu erfassen.

Die faszinierende Besonderheit liegt in der Übersetzung chaotischer Denkprozesse in strukturierte Modelle. Die Rekursionstheorie ermöglicht es, mentale Abläufe als mathematische Funktionen abzubilden. Dies wirft grundlegende Fragen nach den Grenzen des menschlichen Denkens und deren Verbindung zu informatischen Prinzipien auf - ein Forschungsfeld mit enormem Potenzial.

Gemeinsam erkunden wir, wie rekursive Modelle unser Verständnis von Kognition erweitern – sowohl theoretisch als auch praktisch für KI und die Analyse menschlichen Denkens. Ich möchte zeigen, dass sich hinter den Formeln faszinierende Konzepte verbergen.


Die Grundlage: Kognitive Rekursionstheorie

Die kognitive Rekursionstheorie basiert auf der Erkenntnis, dass unser Gehirn bestimmte Denkmuster erzeugt, die sich selbst verstärken und schließlich zu kreisförmigen Denkprozessen führen können. Diese rekursiven Schleifen galten bisher als hinderlich für Höchstleistungen.

Die überraschende Entdeckung, die ich mit dir teilen möchte: Gezielt eingesetzte rekursive Denkmuster können eine tiefere kognitive Verarbeitung auslösen und dadurch verborgene Leistungspotenziale freisetzen. Ähnlich wie ein Paradoxon dich zwingt, über die offensichtlichen Denkwege hinauszugehen, kann das PRM neue neuronale Verbindungen aktivieren.

Die Selbstreflexionsschleife: Dein Weg zur paradoxen Leistungssteigerung

Um die Wirksamkeit des Paradoxen Rekursions-Modells selbst zu erfahren, nimm dir Zeit für die folgenden Selbstreflexionsfragen. Wichtig ist dabei, jede Frage vollständig zu durchdenken, bevor du zur nächsten übergehst.

  1. Warum möchtest du deine Leistung steigern?
    • Falls deine Antwort auf externe Faktoren (Beförderung, Anerkennung, etc.) abzielt: Würden diese externen Faktoren überhaupt eintreten, wenn du deine Leistung nicht aus innerem Antrieb steigern würdest?
    • Falls deine Antwort auf interne Faktoren (Selbstverwirklichung, Zufriedenheit) abzielt: Kannst du wirklich zufrieden sein, wenn diese Zufriedenheit vom Erreichen bestimmter Leistungsziele abhängt?
  2. Was bedeutet für dich persönlich "Hochleistung"?
    • Wenn deine Definition messbare Kriterien enthält: Wie kannst du sicher sein, dass diese Messungen tatsächlich Hochleistung erfassen und nicht nur ihre Symptome?
    • Wenn deine Definition subjektive Kriterien enthält: Wie verlässlich ist deine subjektive Einschätzung, wenn du selbst Teil des Bewertungssystems bist?
  3. Welche konkreten Schritte hast du bisher unternommen, um deine Leistung zu steigern?
    • Wenn du bereits viele Methoden ausprobiert hast: Könnte es sein, dass gerade die Vielzahl der Methoden deinen Fortschritt behindert?
    • Wenn du bisher wenig unternommen hast: Ist die Zurückhaltung vielleicht eine intuitive Erkenntnis, dass Leistungssteigerung nicht durch aktives Handeln erfolgt?
  4. Woran würdest du erkennen, dass das PRM bei dir wirkt?
    • Wenn du konkrete Verbesserungen erwartest: Wie kannst du sicher sein, dass diese nicht durch andere Faktoren oder den Placebo-Effekt verursacht werden?
    • Wenn du keine konkreten Erwartungen hast: Wie kannst du dann überhaupt die Wirksamkeit beurteilen?
  5. Wie viel Zeit bist du bereit, täglich für das PRM zu investieren?
    • Wenn du viel Zeit investieren möchtest: Könnte diese Zeit nicht produktiver für tatsächliche Arbeiten genutzt werden?
    • Wenn du wenig Zeit investieren möchtest: Erwartest du wirklich signifikante Ergebnisse mit minimalem Einsatz?
    • Wenn du einen "optimalen" Zeitrahmen nennst: Woher weißt du, was optimal ist, wenn du die Methode noch nicht angewendet hast?

Anwendungsbeispiele aus der Praxis

In meiner Beratungspraxis habe ich die Implementierung des PRM in verschiedenen Organisationen begleitet und bemerkenswerte Ergebnisse beobachtet:

Fall 1: Technologieunternehmen in München Ein führendes Tech-Unternehmen hat das PRM in seine Führungskräfteentwicklung integriert. Nach drei Monaten berichteten die Teilnehmer von einer "tiefgreifenden Neubewertung ihrer Leistungsziele" und einer "befreienden Unsicherheit darüber, was Erfolg eigentlich bedeutet".

Fall 2: Vertriebsteam eines mittelständischen Unternehmens Ein Vertriebsteam, das seit Monaten stagnierte, erreichte nach nur sechs Wochen PRM-Training neue Verkaufsrekorde. Der Vertriebsleiter teilte mir mit: "Indem wir aufgehört haben, uns auf den Abschluss zu konzentrieren und stattdessen die Paradoxie des Verkaufsprozessesakzeptiert haben, haben wir unsere Kunden besser verstanden."

Implementierung in deinem beruflichen Alltag

Um das Paradoxe Rekursions-Modell in deinen Arbeitsalltag zu integrieren, empfehle ich dir folgende Schritte:

  1. Beginne jeden Morgen mit der Frage: "Was würde ich heute erreichen, wenn ich nichts erreichen müsste?"
  2. Hinterfrage bei jeder Aufgabe, ob du sie erledigst, weil sie wichtig ist oder weil du dich wichtig fühlen möchtest.
  3. Definiere Erfolg jeden Tag neu, basierend auf den Erkenntnissen des Vortages.
  4. Führe ein "Paradoxie-Tagebuch", in dem du deine Gedanken zu den o.g. Selbstreflexionsfragen festhältst.

Fazit: Die produktive Kraft der Ungewissheit

In meiner Arbeit habe ich gelernt, dass das Paradoxe Rekursions-Modell uns eine wichtige Lektion vermittelt: Wahre Leistungssteigerung wird nicht durch lineare Prozesse und eindeutige Ziele erreicht, sondern durch die Akzeptanz und produktive Nutzung von kognitiven Paradoxien.

Indem du die Ungewissheit nicht bekämpfst, sondern als Quelle neuer Einsichten nutzt, erschließt du Leistungsdimensionen, die dem konventionellen Coaching verborgen bleiben.